Bebauung des Bebbelsdorf ohne Auswirkungen?

Die Beschlussfassung über den Bebauungsplan Nr. 256 Bebbelsdorf Süd wurde schon mehrfach verschoben, ein Erfolg der Bürgerinitiative, die sich berechtigt Sorgen macht um die Folgen der geplanten Bebauung auf Umwelt, Lebensqualität und Verkehrssituation.

Dabei soll diese Beschlussfassung im beschleunigten Verfahren ohne Umweltschutzprüfung von statten gehen. Doch anscheinend geht es nicht allein darum, Zeit zu sparen, denn die hat man sich ja jetzt ausgiebig genommen. Sondern wohl um die zu erwartenden Ergebnisse, wäre eine fundierte Umweltschutzprüfung vorgenommen worden.

So wird von der Verwaltung extra vermerkt, dass bei einem eventuellen Baustop regelmäßig gemäht werden soll, um das Brüten europäischer geschützter Vogelarten zu verhindern. Wenn ihr Vorhandensein gar nicht in Frage kommen würde, wie das beschleunigte Beschlussverfahren ohne Umweltschutzprüfung nahelegt, wieso kommt man dann auf eine solche Auflage?

Das ist nicht die einzige Ungereimtheit, wie die von der Initiative vorgelegten Bilder geschützter Tierarten belegen.

Auch wird behauptet, der Beschluss hätte keinerlei finanziellen Auswirkungen. Abgesehen von umfangreichen Erschließungsarbeiten und dem Bau einer Versickerungsanlage, die zu einem uns nicht bekannten Teil auch von der Stadt übernommen werden müssten, werden im neuen Haushalt 2019/2020 unter Punkt 09 Anlagen im Kapitel Investitionsplan für den Ausbau Bebbelsdorf insgesamt 2,4 Millionen Euro bereitgestellt. Inwieweit diese Investition für den Ausbau einer Anliegerstraße mit dem Bauvorhaben zu tun hat, würde man schon gerne wissen.

Desweiteren kann nur schwer abgeschätzt werden, wie ein so großes versiegeltes Gebiet die Abwassersituation bei Starkregen beeinflussen wird. Was die Anwohner hierbei schon erlebt haben einschließlich Land unter in ihren Gärten und Wasser im Keller, wird sicherlich in den Schatten gestellt werden. Wenn die berggelegene Abwasserführung oberhalb der neuen Bebauung nicht verändert wird, kann die Gefahr von Überschwemmungen nicht gebannt werden. Das aber hat auch Auswirkungen.

Zumindest hier, wenn man schon alle anderen Bedenken der Anwohner für unberechtigt erklärt, sollte ordentlich untersucht werden, wie die Umwelt durch das Aufschwemmen von Altlasten der Bergbauvergangenheit und Mülldeponie gefährdet wird.

Eine Versickerungsanlage, direkt an der Straße genau gegenüber den Wohnhäusern auf der anderen Straßenseite wird das Problem sicher nicht lösen, weil bei Starkregen die Wassermassen über den gesamten Einzugsbereich hinwegrauschen und sich im Tiefbereich der Pferdebachstraße zu einem unpassierbaren See sammeln, wie in der Vergangenheit schon ohne Bebauung sichtbar wurde.

Wer hat da so ein Interesse und solch einen Einfluß, dass trotz dieser Bedenken alles so schnell über die Bühne gehen soll?

Romeo Frey – Sprecher im Vorstand von AUF Witten

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