Leserzuschrift: Kritik an der WAZ zur Berichterstattung zum 1. Mai und der Paywall

Kategorie: Selbst aktiv werden
Veröffentlicht: Mittwoch, 29. April 2020
Geschrieben von G.K.

Es ist schon fast ein Ritual der WAZ Witten geworden, bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegen alles zu schießen, was als links identifizierbar ist.

Meine politischen Schnittmengen mit den Inhalten der MLPD sind nicht sehr groß. Trotzdem bin ich empört, wie hier mit dem Begriff "linksradikal" inflationär umgegangen wird. Otto Normalleser denkt dabei gleich an den "Schwarzen Block" und wendet sich entrüstet ab. Die WAZ-Redaktion hätte es vermutlich traditionell lieber gesehen, wenn die SPD Kaffee und Kuchen ausgibt und sich bei den Gewerkschaften öffentlichkeitswirksam anbiedert.

Während die WAZ ausführlich über die Konzepte von SPD und CDU zur Öffnung der Schulen berichtete, wird der Fragenkatalog zum selben Thema von der Partei "DIE LINKE" (online und als Pressemitteilung) nicht zum Thema gemacht.

Seit der Corona-Pandemie habe ich mich bei der WAZ Witten und in der Essener Zentrale darüber beschwert, dass lebensnotwendige Informationen über das Thema Corona hinter einer Paywall versteckt sind und so für Menschen mit geringem Einkommen nicht zugänglich sind. Das ist zynisch. Zumindest für die Zeit der Pandemie hätte die WAZ auf die Bezahlschranke verzichten können. Wer in das Armutsloch fällt, sei es durch Hartz 4, durch eine Minirente oder durch Obdachlosigkeit, mag vielleicht noch ein Laptop besitzen, wird jedoch als erstes die Tageszeitung abbestellen, weil andere Dinge des täglichen Lebens wichtiger sind. Das ist besonders brisant, wenn jetzt die Schulen wieder geöffnet werden sollen. Dieses Verhalten ist auch bereits den in der ver.di organsierten kritischen Journalisten (DJU) aufgefallen.

Entweder haben meine Kritik an der Paywall oder meine Leserbriefaktivitäten, mit denen ich permanent die Heuchelei der SPD-Politik  offengelegt hatte, dazu geführt, dass meine Kommentarfunktion ohne Angabe von Gründen (auch nicht auf meine Nachfrage) gesperrt wurde. Soviel zur Meinungsfreiheit, Transparenz und zum Pluralismus.

Macht Euch nicht von diesem Mainstreammedium abhängig und versucht stattdessen eine eigene Öffentlichkeit herzustellen. Ich mache das genauso als Blogger in einem Netzwerk von diversen linksintellektuellen Diskussions-Plattformen.

G.K., Witten

weitere Zuschrift zum Bericht zur 1. Mai-Kundgebung in der WAZ

Kategorie: Selbst aktiv werden
Veröffentlicht: Sonntag, 26. April 2020
Geschrieben von Hubertus Börger

Ich bin 95 Jahre alt, mein letzter Leserbrief an Ihre Zeitung ist schon sehr lange her. Ihr Bericht über die Initiative für eine Kundgebung am 1. Mai fordert mich heraus. Es ist ein mutiger und richtiger Schritt, unter Einhaltung der Abstandsregeln am 1. Mai eine Kundgebung durchzuführen. Nach dem Krieg habe ich an allen Mai-Kundgebungen teilgenommen und habe kein Verständnis für die Absage durch den DGB. Vor dem Hintergrund meiner langjährigen Lebenserfahrung weiß ich, wie gefährlich es für den Bestand demokratischer Rechte ist, wenn, unter welchen Vorwand auch immer, Versammlungsrechte aufgehoben werden. Mich empört deswegen, wie Sie Stimmung in dem Bericht gegen diese Initiative machen. Ich habe in meinen langen Leben sehr oft erfahren, wie antikommunistische Motive den Boden für Faschismus bereiten. Das sehe ich auch jetzt wieder in Ungarn. Hier in Deutschland möchte ich das nicht mehr erleben. Auch deshalb werde ich am 1. Mai da sein.

Hubertus Börger

Aufruf: Heraus zum 1. Mai 2020!

Leserbrief zum Bericht zur 1. Maikundgebung in der WAZ

Kategorie: Selbst aktiv werden
Veröffentlicht: Samstag, 25. April 2020
Geschrieben von AUF Witten

Es ist gut, dass über die Initiative für eine Maikundgebung berichtet wird. Die notwendigen Einschränkungen für den Gesundheitsschutz dürfen nicht das Versammlungsrecht aushebeln. Darauf weist auch ein aktuelles Urteil des BVG hin. Deshalb verwahre ich mich dagegen,  dass Sie diese wichtige Initiative mit dem antikommunistischen Kampfbegriff „Linksextremismus“ in Verbindung bringen. Es ist wichtig, dass sich Leute zusammenfinden, die den 1. Mai auch unter Bedingungen einer Gesundheitskrise als kämpferischen Tag der Arbeiterbewegung begehen. Gerade Arbeiter und Angestellte sind von der Krise besonders betroffen: Während in der Öffentlichkeit Kontaktverbot herrscht, wird von ihnen verlangt, auf engstem Raum zu arbeiten und ihre Gesundheit zu gefährden. Zu dieser Kundgebung am 1. Mai rufen keine „Linksextremisten“ auf, sondern Menschen, die nicht akzeptieren, dass im Windschatten der Corona-Krise demokratische Rechte und Freiheiten abgebaut werden.

Achim Czylwick
Sprachrohr im Stadtrat von AUF Witten

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